Deutsche in Brasilien
Im frühen 19. Jahrhundet führte die Hochzeit des portugiesischen Kronprinzen und späteren Kaisers von Brasilien Dom Pedro I mit der habsburger Erzherzögin Maria Leopoldine von Österreich zu einer Intensivierung der Beziehungen Brasiliens mit Deutschland, Östterreich und der Schweiz. Kurze Zeit nach der Ankunft von "Princesa Leopoldina" in Brasilien erfolgte die Gründung deutscher Plantagen in Ilhéus (Frankenthal, im Bereich der heutigen Lagoa Encantada nahe Ilhéus) und Leopoldina (heute Caravelas) im Süden des Bundesstaates Bahia (1818), Nova Friburgo nahe Rio de Janeiro (1820), sowie von São Leopoldo und dem späteren Novo Hamburgo (1824), im Umfeld des heutigen Porto Alegre im Bundesstaat Rio Grande do Sul. In der Folge wurden die fruchtbaren Täler des Rio Caí und des Rio dos Sinos in Rio Grande do Sul zum ersten Zentrum deutschsprachiger Immigration, vornehmlich aus Böhmen und dem Hunsrück. Das Wetter und die Beschaffenheit der Böden im Süden Brasiliens kamen den Einwanderern entgegen, da sich hier landwirtschaftliches Wissen aus Mitteleuropa leicht auf brasilianische Verhältnisse übertragen liess. Zudem forcierte die brasilianische Regierung im Zuge von Konflikten mit den Nachbarstaaten Argentinien und Paraguay die Besiedlung des brasilianischen Südens durch europäische Einwanderer mit Hilfe von Vergünstigungen und Landschenkungen.

Bis  in die 1840er Jahre kam es mit Petrópolis (1837, Rio de Janeiro) und Santa Isabel (1847, Espirito Santo) zu weiteren Gründungen mit deutscher Beteiligung in anderen Gegenden Brasiliens, danach konzentrierte sich die deutschsprachige Immigration endgültig auf die südlichen Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul. Zwischen 1850 und 1870 erfolgte die Gründung bedeutender Zentren deutsch-brasilianischer Kultur wie Joinville (1851, ursprünglich Dona Francisca), Blumenau (1854) und Brusque (1870) im nördlichen Santa Catarina, ebenso wie die Abwanderung ursprünglich in anderen Landesteilen eingewanderter Deutscher (u.a. aus der Gegend von Una, Südbahia) in den Süden Brasiliens. Bis 1900 war der Anteil deutschsprachiger Einwanderer an der Bevölkerung der drei südlichen Bundesstaaten auf 35 Prozent angewachsen. Aufgrund ihrer günstigen Lage florierten die deutschen Städte in Santa Catarina und entwickelten sich rasch zu wichtigen Keramik- und Textilproduzenten, wodurch die Gegend rund um das Tal des Rio Itajai mit ihren Orten wie Joinville, Blumenau, Brusque, Pomerode, Schröder, Böhmerwald und Timbó unter dem Namen "Deutsches Dreieck" bekannt wurde. 

Die letzte grosse Einwanderungswelle aus deutschsprachigen Ländern erfolgte während der wirtschaftlichen Wirren nach dem ersten Weltkrieg. Wichtgste Anlaufstellen für Immigranten aus dieser Periode wurden bereits existierende deutsche Gründungen in Rio Grande do Sul, wie São Leopoldo, Novo Hamburgo, Estrela und Teutonia. Das bis dahin eher unbedeutende Novo Hamburgo wurde hierdurch 1927 zur Stadt. In Paraná entstanden deutsche Gemeinden in Curitiba und Witmarsum, im westlichen Santa Catarina die österreichische Siedlung Dreizehnlinden (1933, heute Treze Tílias). Bis zum Ende der 1930er Jahre lag der Bevölkerungsanteil an Deutsch-Brasilianern in Südbrasilien um die 40 Prozent, wovon etwa 90 Prozent Deutsch sprachen. Es gab deutsche Schulen, Zeitungen und Kirchenmessen, und viele Landstriche Südbrasiliens waren zweisprachig. Im Zuge des 2. Weltkrieges kam es zu einem Verbot der deutschen Sprache und einem starken Rückgang der Zweisprachigkeit der deutsch-brasilianischen Bevölkerung in nur kurzer Zeit. Heute haben etwa 10 Prozent der brasilianischen Bevölkerung Deutsche Vorfahren, wovon wiederum ca. 4 Prozent - vornehmlich ältere Jahrgänge - noch "von haus aus" Deutsch sprechen.

Die deutschsprachigen Vorfahren der Bevölkerung von Joinville stammen vornehmlich aus Pommern, Preußen, Schleswig-Holstein, Oldenburg, Hannover und Schweiz.